Winziger Affennachwuchs
Pelzige Rucksäckchen im Doppelpack
Zur Welt kamen die winzigen Zwillinge am ersten Weihnachtsfeiertag. Nun, rund drei Wochen später, sind sie jedoch groß genug, dass die Besucher die lebenden „Rucksäckchen“ auf den pelzigen Rücken von deren Eltern und Geschwistern auch entdecken können. Denn die Rede ist von den kleinsten echten Affen der Welt: den Zwergseidenäffchen. Zu finden sind sie übrigens in einem der gut beheizten Tierhäuser der Wilhelma, im Jungtieraufzuchthaus.
Das Zwergseidenäffchen-Paar Jasper und Chico ist in puncto Nachwuchs sehr zuverlässig: Meist sogar zweimal jährlich bringt Jasper Junge zur Welt, in der Regel Zwillinge. So auch vergangene Weihnachten. Bei der Geburt waren die Kleinen höchstens daumengroß und wogen gerade mal 15 Gramm. Doch trotz ihrer Winzigkeit sind Zwergseidenäffchen keine „Mamakinder“. Im Gegenteil: Meist gibt die Mutter ihre Jüngsten direkt nach der Geburt in die Obhut des Papas und anderer Verwandten. Denn bis auf das Säugen kümmert sich bei diesen Affenzwergen stets die ganze Familie – ob Vater, Brüder oder Schwestern – um die Nesthäkchen. Jeder darf abwechselnd Babysitter spielen und eines der Kleinen huckepack spazieren tragen – was die Tiere offenbar gern tun, denn mitunter zanken sie sich sogar um das Privileg, den „Kinderwagen“ spielen zu dürfen. Seit fünf Jahren sind Chico, Jasper und ihr kleiner Clan ein eingespieltes Team in der Jungenaufzucht. Chico lebt bereits seit 2001 in der Wilhelma, Jasper kam 2005 in die Gruppe. 16 gemeinsame Kinder haben das Paar und seine Familie bislang aufgezogen.
In der Heimat der Zwergseidenäffchen, den südamerikanischen Regenwäldern, bekommt immer nur das ranghöchste Weibchen einer größeren Gruppe Nachwuchs. Ein Kniff der Natur, denn auf diese Weise kümmern sich auch alle blutsverwandten Familienmitglieder intensiv um die Kleinen, deren Überlebenschancen steigen. Nach wenigen Wochen beginnen sie neben der Muttermilch bereits neugierig von dem Futter zu naschen, an dem sich der Rest der Familie labt: in der Natur gehören dazu Blüten, Früchte, Insekten und Spinnen, vor allem aber Baumsäfte, die mehr als die Hälfte des täglichen Nahrungspensums abdecken. Um an ihre Lieblingsspeise heranzukommen, nagen die Tiere mit ihren spitzen unteren Eckzähnchen Löcher in die Baumrinde und schlabbern den austretenden Saft auf. In der Wilhelma gibt es ersatzweise Gummi-Arabicum, den süßen Saft von Akazien, dazu werden Heuschrecken und Mehlwürmer, Süßobst, Sellerie, Paprika und Tomaten gereicht. Neben der wachsenden Neugier auf die Leckereien der Erwachsenen wächst derzeit auch sichtlich der Mut der Zwillinge, erste kleine Ausflüge abseits der Babysitter-Rücken zu wagen. Doch kaum ist ihnen etwas nicht geheuer – flugs sitzen sie der Verwandtschaft wieder im Nacken. Sicher ist eben sicher.




