Gorillamädchen Claudia aus Münster
Wohlbehaltene Ankunft in der Wilhelma
Am 29. Januar gegen 13 Uhr traf das halbjährige Gorilla-Mädchen Claudia, deren Mutter Gana Mitte Januar gestorben war, aus dem Allwetterzoo in Münster wohlbehalten im Jungtieraufzuchthaus der Wilhelma ein. Gebracht haben es der Direktor des Münsteraner Zoos Jörg Adler und zwei Tierpflegerinnen, darunter Revierleitern Bärbel Uphoff, die sich schon vor dem Tod von Claudias Mutter Gana in Münster um die Kleine gekümmert und sie mit dem Fläschchen durchs Gitter gefüttert hatte.
Die Fahrt verbrachte Claudia zumeist auf dem Schoß der vertrauten Tierpflegerin. Obwohl sie bislang den Körperkontakt zu Menschen nicht gewohnt war, fühlte sie sich hier gleich viel wohler als in ihrer Transportbox mit Decke, Wärmflasche und Kuscheltier. In Stuttgart angekommen, wurde die Kleine auf dem schnellsten Weg vom Auto ins Jungtieraufzuchthaus gebracht, wo dessen Leiterin Elke Kastner sie in Empfang nahm. Hauptaufgabe wird es nun sein, sie an menschliche Ersatzmütter zu gewöhnen und ihr Vertrauen zu gewinnen, denn bisher kannte Claudia ja nur den Umgang mit anderen Gorillas. Doch dass Umzug und Ankunft so problemlos verliefen, lässt hoffen. „Bislang verhält sich Claudia ganz prima und sie hat auch gleich das Fläschchen von uns angenommen“, so Elke Kastner. „Natürlich ist sie noch etwas schüchtern. Aber es ist ja schließlich alles sehr neu für sie.“
Das erste Wochenende werden sich Elke Kastner und ihre Kollegin Margot Federer in Wechselschicht rund um die Uhr um Claudia kümmern, ihr viermal am Tag das Fläschchen mit Säuglingsmilch reichen, außerdem mag das halbjährige Gorillamädchen bereits Banane und knabbert mit ihren ersten Zähnchen ein wenig Gemüse. Untergebracht wird Claudia zunächst hinter den Kulissen. Sie erhält ein Kinderbettchen im Pflegerraum, wo sich die Tierpflegerinnen intensiv um sie kümmern. Zudem wird sie immer wieder Zeit in einem Hängekäfig mit Sichtkontakt zu den anderen Affenkindern verbringen. Neben dem gut eineinhalbjährigen Upala aus Heidelberg leben im Jungtieraufzuchthaus derzeit der zweieinhalbjährige Monza sowie die bald dreijährige Mary. Sie ist die ältere Schwester von Claudia und kam im Juli 2007 nach Stuttgart, weil sich Gana nicht genug um sie gekümmert hatte. Allerdings wird Mary die Wilhelma bald verlassen, um in eine Familiengruppe in Zürich integriert zu werden. Claudia darf jedoch baldmöglichst mit ihr und den anderen Affenkindern Kontakt aufnehmen – sehr behutsam, in kleinen Etappen und unter Aufsicht ihrer Pflegerinnen. Und wann das Gorillamädchen in den für Besucher einsehbaren Gehegen zu sehen ist, entscheiden die Pflegerinnen je nachdem, wie gut sich Claudia weiter einlebt.
Nachdem Gana Mitte Januar gestorben war, hatte der Allwetterzoo zunächst versucht, Claudia in der Gruppe und der Obhut der 37-jährigen Gorillafrau Fatima zu lassen. Diese kümmerte sich zwar um das Gorillamädchen, hätte ihm aber vermutlich nicht genug Schutz geboten, etwa bei Rüpeleien des zweijährigen Thabo. Deshalb wurden Fatima und Claudia vorsichtshalber von der Gruppe getrennt, was auf Dauer weder für die beiden noch für die soziale Stabilität der ganzen Gruppe gut gewesen wäre. Als entschied der Zoo Münster auf Empfehlung der Verantwortlichen und Experten im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Gorillas, dass Claudia in die Aufzuchtstation der Wilhelma gebracht wird, wo sie viel Zuwendung von erfahrenen menschlichen Ersatzmüttern, aber auch Kontakt zu fast gleichaltrigen Artgenossen erhalten kann.





